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ABSCHIED VON HORST SCHIMANSKI

Die 2013 ausgestrahlte Folge „Loverboy“ war die Schlussfolge der Reihe Schimanski. Das hat Götz George in einem Interview mit der Ruhrgebietszeitung Westdeutsche Allgemeine (WAZ) erklärt. „Ich möchte gerne nach 65 arbeitsreichen Jahren Feierabend machen“, sagte der Schauspieler. Horst Schimanski trete so leise ab, wie er laut angefangen hat. „In meinem letzten ,Schimanski‘ schreibe ich auf eine feine, neue, weiße Couch mit schwarzem Filzstift ,Ich liebe dich‘“, so George. Dies sei eine „schöne, doppeldeutige Erklärung“, die sich nicht nur auf die Lebensgefährtin Marie-Claire, sondern auch auf die Figur Schimanski beziehen könne.

Nachdem zu Beginn von „Loverboy“ zwei Schläger die Wohnungseinrichtung von Schimanski und Marie-Claire zertrümmert haben, bringen sie am Ende die neuen Möbel. Schimanski beschriftet die ziemlich geschmacklose Couchgarnitur mit einem Edding und malt ein großes Herz auf das Tischchen. Als Marie-Claire das sieht, fällt ihr die zur Feier des Tages geöffnete Sektflasche erschrocken aus den Händen. „Und Götz George lässt Schimanski mit seinen 75 Jahren noch immer grinsen wie einen kleinen Jungen“, schrieb der Fernsehkritiker der WamS.

2013: Im Ruhrorter Stahlwerk – ein mythischer Abgang.

Zwischen dem „leisen“ Ende der Figur Schimanski und dem spektakulären Auftritt liegt nur eine Szene. Als Duisburgs Ex-Polizist seine neue Wohnungseinrichtung erblickt, kommt er gerade aus dem Ruhrorter ArcelorMittal-Stahlwerk. Dort hat er eine Waffe in glühendem Stahl verschwinden lassen. In Horst Schimanskis melancholischem Blick war unschwer zu lesen, wie er mit den Kategorien Recht und Gerechtigkeit hadert. Ein Finale an diesem mythischen Ruhrgebietsort – das wäre ein „lautes“ Ende gewesen. Vielleicht hätte Regisseur Kaspar Heidelbach dies vielleicht sogar in Erwägung gezogen, wenn er denn gewusst hätte, dass er den Schlusspunkt für eine epochalen Filmfigur setzt. Doch damals wollte Götz George die Schimanski-Rolle weiterhin ausfüllen. „Nicht drei Mal im Jahr“, sagte er nach der „Loverboy“-Uraufführung auf der Cologne Conference im Oktober 2013, aber etwa alle zwei Jahre sei er gerne dabei. Wenig später war zu hören, dass drei Autoren an zwei neuen Drehbüchern arbeiten würden, die der WDR nun sichte. „Davon weiß ich nichts“, sagte George bei seiner Rücktrittsankündigung. Und er fragte: „Was wäre ein würdiges Ende für eine solch überbordende Figur?“

1991: Tatort-Ende mit Drachenflieger – ein legendärer Abflug.

1991 wurde der Ausstieg aus der Tatort-Reihe mit einer legendären Abschiedsszene begangen. „Scheiße“ rief der vom Dienst suspendierte Hauptkommissar, als er mit dem Flugdrachen in den Himmel von Duisburg entschwebte. Nach sechs Jahren nahm Götz George seinen Abschied zurück und feierte das Comeback.

Nach weiteren zehn Schimanski-Jahren und 14 Folgen später schien 2007 das endgültige Ende gekommen zu sein. Regisseur Torsten C. Fischer hatte die Wohnung aus der allerersten Folge „Duisburg-Ruhrort“ in Marxloh nachbauen lassen. Der Original-Drehort im Dachgeschoss einer Wohnanlage in Wanheim existierte zwar noch. Aber der Blick aus dem Fenster hat sich verändert: Das Krupp-Hüttenwerk in Rheinhausen war längst abgerissen. Stattdessen schauten wir in der Folge „Tod in der Siedlung“ auf die Hochöfen des Thyssen-Stahlwerks Schwelgern. Dort spielte George das Remake der sagenhaften Eingangsszene von 1981: Er findet keine gespülte Pfanne und muss seine Frühstückseier roh verspeisen.

Diese Schlussszene wäre das perfekte Finale gewesen. Doch Horst Schimanski war noch nicht am Ende, die TV-Reihe war ungebrochen populär. Die ARD entschied, weiterzumachen. Götz George war einverstanden, er sah sich noch lange nicht auf dem Altenteil.

1985: George und Bartsch – eine nostalgische Remininzenz.

Erst sieben Jahre später ist es soweit, der Berliner Schauspieler ist mittlerweile 76 Jahre alt. Anlässlich des in Dorsten spielenden Ruhrgebietskrimis „Besondere Schwere der Schuld“, in dem Götz George den verurteilten Doppelmörder Komalschek spielt, kündigt er sein Karriereende an. Schimanski taucht in diesem im Oktober 2014 im Ersten ausgestrahlten Film ganz an Rande auf: Joseph Komalschek und Heidi, dargestellt von Angelika Bartsch, schauen sich Fotos aus ihrer Vergangenheit an. Darunter findet sich auch eine Szene aus der Tatort-Folge „Doppelspiel“ von 1985. Damals spielte Bartsch an der Seite von George die Duisburger Sektenmitarbeiterin Ann Silenski.

Ist der Abschied von Schimanski wirklich endgültig? Eine winzige Hintertür hält sich George offen, wobei er dabei zunächst an Rollen „für einen in die Jahre gekommenen Schauspieler – der nicht die Kraft von Schimanski hat“ denkt. Er könne sich vorstellen „von Zeit zu Zeit wieder ,auf die Piste‘ zu gehen“, sagte Götz George im Gespräch mit der WAZ.

„Christian Thanner war DDR-Spion“ titelten einige Medien im Dezember 2014. Das war natürlich falsch, denn Thanner hat nicht für die Stasi gearbeitet. Der Hauptkommissar war absolut unbestechlich, er hatte ein klares Gerechtigkeitsempfinden und hätte sich niemals einem Unrechtsstaat angedient.
Hingegen war längst bekannt, dass der Schauspieler Eberhard Feik der DKP angehörte, die dem SED-Regime treu ergeben war. In dieser Hinsicht ist die vom ZEITmagazin aufwändig recherchierte Tatsache, dass Feik sich dem DDR-Geheimdienst verpflichtet hatte, keine allzu große Überraschung.
ZEITmagazin: Die Akte Feik
Berliner Zeitung/FR: Eberhard Feik und die Stasi

 WAZ: „Schimanski“ Götz George will tatsächlich aufhören

  WDR Lokalzeit Duisburg: Jahresrückblick – Horst-Schimanski-Gasse

Harald Schrapers · 2014/akualisiert 2015 


Bundespräsident Joachim Gauck, Götz George und Schimanski:
 bundespraesident.de: 50. Verleihung des Grimme-Preises
 AFP: Gauck empfiehlt Schimanski als Vorbild
 MoPo: Gauck ehrt Götz George mit Verdienstkreuz

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