| Westfälische Rundschau vom 22.3.2007
Schimanski ist jetzt „Sozialromantiker“ Nach der Vorpremiere des neuen ARD-Krimis „Tod in der Siedlung“ entfuhr es Duisburgs erster (grüner) Bürgermeisterin Doris Janicki spontan: „Das ganze Olle war aber aus Köln!“ Und richtig: Die hässliche Hochhaussiedlung, in der die neue „Schimanski“-Folge spielt, steht gar nicht in der ruhrigen Heimat des kultigen Haudegens. Das hatte auch Harald Schrapers schnell erkannt. Der private Betreiber der Horst-Schimanski-Homepage weiß zwar, dass der WDR „aus Kostengründen“ nur einen geringer Prozentsatz der Szenen in Duisburg drehen lässt, aber „das mit der Stadtbahn“ findet er denn doch „ne ganz üble Nummer“: Die Fahrt, so verkündet das Schild an der Bahn, geht nach Thielenbruch – „und das ist ein Stadtteil von Köln. Wenigstens das Schild hätte man doch unkenntlich machen können.“ Dafür aber habe man sich Mühe gegeben mit der Wohnung von Schimanski: „Die ist in einem Haus mit Blick auf ein Stahlwerk in Duisburg-Bruckhausen nachgebildet worden. Die rauchenden Schlote aus dem ersten ,Tatort‘ von 1981 gab es ja nicht mehr.“ „Duisburg-Ruhrort“ hieß damals die Auftakt-Folge mit Schimanski. Zehn Jahre später hatte sich der Ruhrort-Kommissar nach 29 Folgen verabschiedet – um 1997 als unabhängiger Ermittler wiederzukehren. „Tod in der Siedlung“ sollte eigentlich zum 25-jährigen Jubiläum der Figur im letzten Jahr gesendet werden – doch ausgestrahlt wird der Streifen nun erst am 22. April. Gefeiert wurde das Jubiläum in der Nacht zu gestern standesgemäß in der „Schifferbörse“ mit Polit-Promis wie dem heutigen Oberbürgermeister Adolf Sauerland oder dem zu Schimanskis „Amtseinführung“ amtierenden OB Josef Krings, mit der (ab April) neuen WDR-Intendantin Monika Piel und mit WDR-Fernsehchef Ulrich Deppendorf – und eben mit Harald Schrapers: „Zu dem Jubiläum hat mich der WDR das erste Mal eingeladen.“ Vom Sender freundlich geduldet, betreibt der 42-Jährige die Schimanski-Seite im Internet seit gut zehn Jahren. Offenbar recht glaubwürdig: „Ich kriege immer die E-Mails von den Fans“, erzählt Schrapers. Ob er die denn weiterleitet an Götz George?: „Nein, wieso denn? Die sind doch für Horst Schimanski.“ George selbst fand zur Feier des Tages auch ein paar Worte: Er wolle, versprach er, weitermachen als Schimanski, so lange er könne: „Ich weiß ja nicht, wie lange ich noch lebe.“ Fast wehmütig klingt er, als er an die Anfänge erinnert und in Richtung WDR dankt: „Nach der ersten Folge rief mich der damalige Intendant von Sell an und sagte: ,Machen Sie weiter so.‘“ Und das, obwohl ein großes Boulevardblatt „uns zur Sau gemacht hat“. Aber die beim WDR hätten „wirklich viel freigeschaufelt für uns“. Zu recht, könnte man meinen, wenn man ihn reden hört: „Heute ist ja jeder Zweite Kommissar.“ „Selten wurde so ein Mannsbild geboren“, fand denn auch Deppendorf bewundernde Worte für Schimanski. Doch der hat sich gewandelt im Lauf der Zeit, ist kein Haudegen mehr, hilft „seinen Leuten“ aus der Siedlung und muss sich vom Kripomann Hunger sogar sagen lassen: „Mein Gott, Du bist so ein Sozialromantiker.“ Barbara Heßmann © Westfälische Rundschau [ Homepage ] |