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Nachrichten : Medien |
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9.12.2001 |
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"So doof ist Schimanski-George auch
nicht" |
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| Götz George hält Schimanskis früheres Machogehabe nicht
mehr für glaubwürdig: Er ist besonnener geworden |
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Götz
George, 63, spielte zehn Jahre lang einen der populärsten
"Tatort"-Kommissare: Horst Schmimanski aus Duisburg. 1991
hörte George mit dem "Tatort" auf, drehte stattdessen
Spielfilme wie Dietls "Schtonk" oder Karmakars "Totmacher".
1997 entwickelte die ARD extra für ihn die Krimireihe
"Schimanski". Am Sonntagabend läuft die einzige Folge in
diesem Jahr. Ihr Titel: "Kinder der Hölle".
Herr
George, denken Sie noch manchmal daran zurück, wie mit dem
"Tatort" "Duisburg-Ruhrort" vor 20 Jahren Ihre Karriere als
Hauptkommissar Horst Schimanski begann?
Ja,
natürlich. Das waren einschneidende Momente im Leben.
Schimanski sagte mal: "Wenn ich nicht Bulle geworden wäre,
wäre ich Verbrecher geworden." Mit diesem Satz lässt er sich
am leichtesten charakterisieren. So einen wollte ich spielen.
Und der WDR hatte ganz ähnliche
Vorstellungen.
Trotzdem verabschiedeten Sie sich
vor genau zehn Jahren vom WDR-"Tatort" mit "Der Fall
Schimanski". Wo drückte der Schuh?
Die
Drehbücher waren nicht mehr gut, und da habe ich beschlossen,
den Kram hinzuschmeißen. Doch nach sechs Jahren wollte der WDR
mich wieder fest binden mit einer Serienrolle - und fragte:
"Könntest du damit leben, wenn wir Schimanski als
eigenständige Figur wieder ins Programm
nähmen?"
Sie sollen damals gesagt haben, dass
Schimanski in den 90ern kälter werden muss.
Ich
habe gesagt, wir müssen ihn ein wenig anders zeigen. Diese
ganze Emotion, um die es in den 80ern ging, kam von den
Autoren. Das waren allesamt 68er, die ihre Themen, ihre
schwierigen Liebesbeziehungen einbrachten. Aber in den 90ern
hatten wir einen Autorenstamm mit völlig anderer
Lebenserfahrung: Junge Autoren, die Bücher über eine älter
werdende Figur schrieben.
Sie selbst gelten unter
Schauspielerkollegen als Perfektionist. Wie bringen Sie eigene
Ideen in die Filmproduktionen ein?
Ich spiele
den Autoren meine Ideen vor, zum Beispiel im Lokal. Dann
übernehme ich die Rolle meiner Partner und noch fünf andere
mit. Und die Leute denken: Der hat doch ein Rad ab. Aber es
geht um die Sache.
Das klingt so, als gingen
Ihnen die Rollen jedes Mal in Fleisch und Blut
über.
Nicht ganz. Ich pirsche mich immer wieder
von Neuem an die Figuren heran. Wenn ich beispielsweise den
Schimanski spiele, dann bin ich immer noch aufgeregt - weil ja
auch eine Erwartungshaltung dahinter steht.
Man
munkelt, Sie würden sich vor Drehbeginn für eine Viertelstunde
zurückziehen.
Na ja, ich schlafe manchmal am
Set. Wenn da eine Couch steht oder ein Tisch, lege ich mich
drauf und penne ein. Weil ich durch diesen Beruf ständig einen
Schlafentzug habe. Ich kann mich entspannen, wenn Menschen um
mich herum sind. Zuhause, wo Ruhe ist, schlafe ich natürlich
schlecht.
Gibt es nach all den Jahren keine
Ähnlichkeiten zwischen George und
Schimanski?
Nicht, dass ich wüsste! Das
Schimi-Image des Rabauken und Machos ist von der Presse auf
meine Person übertragen worden. Von diesem
Abschreibejournalismus habe ich genug und überlege mir jedes
Interview sehr genau - man wird einfach scheuer in diesem
Land.
War es denn Ihr Wunsch, den Assistenten
Hänschen, gespielt von Ihrem langjährigen Freund Chiem van
Houweninge, vom "Tatort" in die "Schimanski"-Reihe zu
übernehmen?
Ja, wobei der WDR zuerst Schimanski
als einzigen übernehmen wollte. Sie hatten auch die Idee mit
dem jungen Assistenten Hunger für das jüngere Publikum.
Hunger, also mein lieber Kollege Julian Weigend und ich sind
nicht ganz zufrieden mit der Konstellation. Da muss noch etwas
passieren.
Vermissen Sie Ihren früheren Partner
Eberhard Feik alias Christian Thanner
sehr?
Sicher tue ich das. Und wenn Eberhard
noch leben würde, wäre alles wesentlich humoriger. Die
Reibereien zwischen zwei alten Haudegen waren für die
Dramaturgie unserer Drehbücher immer sehr
wertvoll.
War die Zusammenarbeit zwischen den
beiden alten "Tatort"-Hasen so viel anders?
Ja,
weil Eberhard und ich auch privat sehr gut befreundet waren,
ähnlich wie Chiem und ich heute. Daher konnten wir im Vorfeld
schon vieles in den Büchern klären.
Jetzt muss
Schimi ohne Thanner älter werden. Wie lässt man einen solchen
Energiebolzen wie Schimanski in Würde
altern?
Genauso wie George würdevoll altert,
hoffe ich. Schimanski setzt sich nicht mehr physisch unter
Druck. Er wird besonnener. Ich habe große Freude daran, einen
älteren Helden zu spielen und reduziere langsam meinen
körperlichen Einsatz.
Kokettieren Sie denn noch
ein wenig mit dem Sex-Appeal der Figur
Schimanski?
Das ist eine Frage, die für einen
63-Jährigen überflüssig geworden ist. Also denkt mal ein
bisschen mit! So doof ist Schimanski-George auch wieder
nicht.
Haben wir so auch niemals behauptet.
Entgegen der Meinung vieler Frauen, für die Horst Schimanski
sicherlich noch immer ein Sex-Symbol darstellt, hat Alice
Schwarzer mal über Schimi gesagt, er sei "der Junge, mit dem
man eher einen trinken geht, aber nicht unbedingt ins Bett".
Einverstanden?
Alice hat mir damals geholfen.
Sie hat als erste dieses Macho-Bild von Schimanski
durchbrochen. Weil sie in ihm einen Mann sah, mit dem eine
Frau einen trinken gehen kann, ohne dass er ihr gleich an die
Wäsche geht. Und so hab ich selbst diese Figur auch immer
kapiert.
Als netten, geschlechtslosen
Kumpel?
Niemals als netten Kumpel. Schimanski
würde nie sagen: Habt mich lieb! So machen es doch heute die
meisten Leute im Fernsehen. Keine TV-Figur, keine Showgröße
ist ein bisschen quer, sondern immer nur sympathisch. Es gibt
keinen, der ein bisschen aneckt, grauenvoll. Man muss wirklich
nicht immer geliebt werden.
Also doch eine
Parallele zwischen Götz George und
Schimanski?
Ja, weil man irgendwann die
Spaßgesellschaft leid ist, in der sich jeder anbiedern
muss.
Aber auch Schimanski bringt dem Publikum
Spaß - schon wegen seines selbstironischen Auftretens als
sentimentaler Prolet.
Sicher, auf seine Art tut
er das. Humor ist ein wichtiges Spielmoment, sonst kommt man
in dieses fürchterliche deutsche
Selbstmitleid.
Haben Sie sich schon überlegt, wie
lange Sie den Schimanski noch geben
wollen?
Ebenso könnten Sie mich fragen, wie
lange ich diesen Beruf noch ausüben möchte. Man spielt so
lange, wie das Publikum und man selbst noch Freude daran hat -
so einfach ist das! |
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| Das Gespräch führten Iris Ockenfels und Stephan
Alexander Weichert. |
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