Süddeutsche Zeitung vom 11.11.1997

Bravourös gekämpft

Schimanski: Die Schwadron (ARD/WDR)

Hatte Thanner eine Tochter? Der hat doch nie mit einer Frau . . . 12,75 Millionen Zuschauer teilen vermutlich Schimanskis Überraschung. Es muß überhaupt erst viel erklärt werden, bis der endlich loslegen darf. Rückblicke - es gibt nichts Tödlicheres für einen Krimi. Doch dieses Dilemma wird bravourös gelöst; mit kurzen Szenen, schnellen Bildern wird die Connection hergestellt zwischen damals und jetzt, zwischen Thanners Tod und dem neuen Fall, wozu es dann auch dessen Tochter Nina braucht. Aber damit ist schon alles Positive über die Story gesagt. Bei allem in vielen Krimistunden angesammelten Mißtrauen gegen Cops: daß einer ausflippt in seinem Schmerz über die jungen Computerschnösel bei der Kripo, geht in Ordnung. Aber daß Kollege Günter auch noch eine ganze Polizeischwadron für seinen Rachefeldzug rekrutiert hat? Da hat offensichtlich der Autor durchgedreht.

Eine Zumutung ist das, für den Regisseur und für Götz George, dessen Schimanski doch davon lebt, daß er nicht abhebt; der als Schauspieler eben nicht nur als Stuntman imponieren kann, sondern immer auch zeigt, wie nah Gewalt und Hilflosigkeit sind und daß Wut aus Verletzlichkeit kommt. Wirklich bewundernswert, wie es George gelingt, dieser überdrehten Geschichte doch noch die Bodenhaftigkeit der Wirklichkeit zu geben, die Schimanski so stark macht.

In seinem Kampf gegen das Drehbuch wird George von Regisseur und Kameramann nach Kräften unterstützt: durch perfekten Rhythmuswechsel, die Spannung zwischen Hell-Dunkel, Leise-Laut, Schnell-Langsam; durch das Spiel mit postmodernem Glanz und der immer noch roten Sonne über der Ruhr. Und durch Komik, wenn Nina mit der Zahnbürste eine Pistole putzt oder Schimmi den Schrank mit den sechs Jacken für die neuen Folgen öffnet. Am nächsten Sonntag schon wird Jacke Nummer zwei gebraucht, hoffentlich für eine Story, die die Möglichkeiten von Götz George auch voll fordert.

ELISABETH BAUSCHMID


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