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Die Frage, ob es sich bei Horst Schimanski um
einen Tatort-Ermittler handelt, hat man sich beim WDR erst vor ein
paar Monaten wieder gestellt. Dabei ging es nicht um die Figur, denn
die ist seit 1981 eingeführt und man weiß, dass dieser ehemalige
Duisburger Kommissar heute mit seiner Freundin Claire auf einem
Hausboot lebt und nur noch einmal im Jahr ein Verbrechen aufklärt –
ohne amtlichen Auftrag, manchmal auch ohne Grund und meistens, weil
er pleite ist.
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Es dreht sich also um die Frage, ob dieser
Schimanski auf den mächtigen Sendeplatz am Sonntagabend passt. Was
zum einen sicher mit der Quote zu tun hat, zum anderen mit dem
Muster eines Tatortes. Ein Tatort ist ein Krimi und braucht richtige
Kommissare, Männer und Frauen, die sich an das Gesetz halten und die
ständig mit dem Gesetz kämpfen, weil Recht und Gerechtigkeit so
häufig nicht zueinander passen. Schimanski ist in diesem Sinne ein
Gesetzloser, den man nicht mal mehr auf dem Dienstweg in die
bürgerliche Ordnung zwingen kann.
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Was will er dann sonntags? Könnte er die
Täter nicht an einem Donnerstag zur Strecke bringen? Donnerstags
wiederholt die ARD ihre Tatorte, und dort würde weniger auffallen,
dass Schimanski längst eine eigene Reihe ist, die mit dem Tatort
bloß durch Vergangenheit verbunden ist. Aber Vergangenheit ist
stark, und die Geschichten, die mit Götz George als Schimanski
erzählt werden, sind stark. Sie bilden auch hinsichtlich ihrer
Kosten und ihrer Besetzung eine Ausnahme, und diese Ausnahme passt
zum Tatort-Sonntag, weil sie das Konventionelle bereichert und
ergänzt.
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Diesmal legt das Hausboot in Antwerpen an.
Auf leise, schicksalhafte Weise landet Schimanski im jüdischen
Viertel, in einer Welt fremder Rituale, des brüchigen Humors und
schrecklicher Rätsel. Er will dort sein Familiensilber verkaufen und
rettet einen Mann, der Rosenfeldt (Nikolaus Paryla) heißt und viel
dafür bezahlt, beschützt zu werden. Schimanski versteckt Rosenfeldt
in seiner Duisburger Wohnung, aber der wird dort erschossen, und der
gute Horst steht unter Mordverdacht – erstmals im Übrigen. Verhaftet
wird er von den früheren Kollegen Hänschen (Chiem van Houweninge)
und Hunger (Julian Weigand). Vordergründig geht es um Schweizer
Nummernkonten, auf denen Juden ihr Vermögen vor den
Nationalsozialisten in Sicherheit brachten. Es geht um jüdische
Traditionen und um die Macht des Geldes, die das Böse anzieht – auf
einer blutigen Spur. Wie so oft versteckt sich das Böse da, wo man
es nicht vermuten möchte. Und je länger der Film dauert, desto
deutlicher sieht man, was er will: ein Gleichnis erzählen von den
wichtigen und unwichtigen Werten.
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Ganz zu Beginn fragt Schimanski, was Claire
(Denise Virieux) eigentlich von ihm wolle? Er kann ja nicht mal ohne
ihre Kreditkarte einkaufen, ständig ignoriert er ihren Rat und fühlt
sich noch immer von anderen Frauen angezogen. Dass Claire ihn so
mag, wird Schimanski irgendwann begreifen. Sie weiß, dass man nie
kriegt, wovon man träumt, aber zufrieden sein kann mit dem, was man
hat. Und Götz George als melancholischer, alternder Kraftprotz, der
Bahnschranken nicht mehr überspringt, sondern sie zur Seite schiebt
und am Ende mit Claire über eine Beschneidung spricht, weil er da
von einer jungen Frau Wunderdinge gehört habe, das ist schon
großartig.
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Schimanski – Das Geheimnis des Golem, ARD,
Sonntag, 20.15 Uhr.
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