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Drucken 10.01.2004

Die Spur des Bösen

„Schimanski“ wird leiser, aber schlechter wird er nicht

 

Die Frage, ob es sich bei Horst Schimanski um einen Tatort-Ermittler handelt, hat man sich beim WDR erst vor ein paar Monaten wieder gestellt. Dabei ging es nicht um die Figur, denn die ist seit 1981 eingeführt und man weiß, dass dieser ehemalige Duisburger Kommissar heute mit seiner Freundin Claire auf einem Hausboot lebt und nur noch einmal im Jahr ein Verbrechen aufklärt – ohne amtlichen Auftrag, manchmal auch ohne Grund und meistens, weil er pleite ist.


Es dreht sich also um die Frage, ob dieser Schimanski auf den mächtigen Sendeplatz am Sonntagabend passt. Was zum einen sicher mit der Quote zu tun hat, zum anderen mit dem Muster eines Tatortes. Ein Tatort ist ein Krimi und braucht richtige Kommissare, Männer und Frauen, die sich an das Gesetz halten und die ständig mit dem Gesetz kämpfen, weil Recht und Gerechtigkeit so häufig nicht zueinander passen. Schimanski ist in diesem Sinne ein Gesetzloser, den man nicht mal mehr auf dem Dienstweg in die bürgerliche Ordnung zwingen kann.


Was will er dann sonntags? Könnte er die Täter nicht an einem Donnerstag zur Strecke bringen? Donnerstags wiederholt die ARD ihre Tatorte, und dort würde weniger auffallen, dass Schimanski längst eine eigene Reihe ist, die mit dem Tatort bloß durch Vergangenheit verbunden ist. Aber Vergangenheit ist stark, und die Geschichten, die mit Götz George als Schimanski erzählt werden, sind stark. Sie bilden auch hinsichtlich ihrer Kosten und ihrer Besetzung eine Ausnahme, und diese Ausnahme passt zum Tatort-Sonntag, weil sie das Konventionelle bereichert und ergänzt.


Diesmal legt das Hausboot in Antwerpen an. Auf leise, schicksalhafte Weise landet Schimanski im jüdischen Viertel, in einer Welt fremder Rituale, des brüchigen Humors und schrecklicher Rätsel. Er will dort sein Familiensilber verkaufen und rettet einen Mann, der Rosenfeldt (Nikolaus Paryla) heißt und viel dafür bezahlt, beschützt zu werden. Schimanski versteckt Rosenfeldt in seiner Duisburger Wohnung, aber der wird dort erschossen, und der gute Horst steht unter Mordverdacht – erstmals im Übrigen. Verhaftet wird er von den früheren Kollegen Hänschen (Chiem van Houweninge) und Hunger (Julian Weigand). Vordergründig geht es um Schweizer Nummernkonten, auf denen Juden ihr Vermögen vor den Nationalsozialisten in Sicherheit brachten. Es geht um jüdische Traditionen und um die Macht des Geldes, die das Böse anzieht – auf einer blutigen Spur. Wie so oft versteckt sich das Böse da, wo man es nicht vermuten möchte. Und je länger der Film dauert, desto deutlicher sieht man, was er will: ein Gleichnis erzählen von den wichtigen und unwichtigen Werten.


Ganz zu Beginn fragt Schimanski, was Claire (Denise Virieux) eigentlich von ihm wolle? Er kann ja nicht mal ohne ihre Kreditkarte einkaufen, ständig ignoriert er ihren Rat und fühlt sich noch immer von anderen Frauen angezogen. Dass Claire ihn so mag, wird Schimanski irgendwann begreifen. Sie weiß, dass man nie kriegt, wovon man träumt, aber zufrieden sein kann mit dem, was man hat. Und Götz George als melancholischer, alternder Kraftprotz, der Bahnschranken nicht mehr überspringt, sondern sie zur Seite schiebt und am Ende mit Claire über eine Beschneidung spricht, weil er da von einer jungen Frau Wunderdinge gehört habe, das ist schon großartig.


CHRISTOPHER KEIL


Schimanski – Das Geheimnis des Golem, ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.





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Quelle: Flife  

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