Der Spiegel vom 15.9.2001

Spiegel-Gespräch (AUSZÜGE)

Du musst den Himbeertoni machen“

Der Schauspieler Götz George über seine Berufsauffassung, seine Paraderolle als Schimanski und sein schwieriges Verhältnis zu Journalisten

SPIEGEL: Herr George, Sie haben gerade Ihren zehnten Krimi der ARD-Reihe "Schimanski" abgedreht. Kann es sein, dass Ihnen jenseits dieser Paraderolle keine niveauvollen Fernseh- und Kinoparts mehr angeboten werden?

George: Durchaus nicht. Man bietet mir zwar eine ganze Menge an. Aber gute Drehbücher sind nur noch Zufallstreffer, die so passieren. Mein Anspruch ist nun mal hoch. Außerdem habe ich mir vorgenommen, nur noch einen Kinofilm pro Jahr zu drehen.

SPIEGEL: … verdanken Sie nicht Ihre Popularität, gerade die als Schimanski, zumindest zum Teil der Presse?

George: Nein, die Presse kam auch bei Schimanski erst später. Angenommen hat uns das Publikum. Die Presse hat gegen uns angeschrieben, als wir 1981 mit Schimanski anfingen. Die "Bild"-Zeitung hat gezählt, wie oft Schimanski "Scheiße" sagt, und erst nach ein paar Jahren hat uns dann die so genannte linke Presse, der SPIEGEL und die "Süddeutsche", ein bisschen Schützenhilfe gegeben und den Mann genauer analysiert ...

SPIEGEL: ... und so wurde Schimanski zu einer legendären Figur: zu dem Mann, der es mit den Regeln und der Amtssprache nicht so genau nahm und damit auch die Deutschen ein wenig lockerer gemacht hat. Nur, der Mann, der Schimanski spielt, macht heute nicht unbedingt einen lockeren Eindruck.

George: Ich bin nicht locker. Ich komme aus einer anderen Tradition.

SPIEGEL: Die Einschaltquoten für Ihre Schimanski-Auftritte sind nicht mehr so gut wie früher. Woran liegt das wohl? Hat sich die Figur verbraucht? Oder sagen die Leute tatsächlich, wie Sie eben meinten: "George ist ein Arsch?"

George: Das kann ich Ihnen nicht beantworten, da müssten Sie die Leute fragen. Aber natürlich wurde die Figur geradezu inflationär abgekupfert. Als wir anfingen, gab es drei, vier deutsche Krimiserien im Fernsehen. Jetzt gibt es 25 oder was weiß ich, und alle tendieren eher zum Schimanski als zu "Derrick".

SPIEGEL: Haben sich nicht auch die Ansprüche des Publikums gewandelt?

George: Ja. Gerade in den letzten beiden Jahren hat sich im deutschen Fernsehen die Struktur völlig verändert, durch "Big Brother", durch die Spielshows. Die Leute, die heute in den Fernsehanstalten an den Hebeln sitzen, fragen sich plötzlich: "Wäre nicht ein Schimanski, der am Spieltisch gegen Jauch sitzt, vielleicht das richtigere Konzept, richtiger, als ein Fernsehspiel über 90 Minuten zu machen?" Ich kann es Ihnen nicht beantworten.

 Das vollständige Spiegel-Gespräch

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