Er säuft, pöbelt, prügelt sich und andere. Und
er hat noch jeden Mörder geschnappt. Das hat Horst Schimanski seit seinem ersten
markigen Auftritt, heute vor 20 Jahren, zum bekanntesten Duisburger gemacht.
Harald Schrapers hat mit dem Kult-Kommissar nichts gemein. Die Schmuddeljacke
würde ihm traurig am Körper hängen. Sein Blick verrät aufmerksame Freundlichkeit,
nicht aber die latente Bereitschaft, böse Buben in den Boden zu rammen. Und die
ovale Brille lässt darauf schließen, dass dem jungen Vater und Mitarbeiter einer
Düsseldorfer Bundestagsabgeordneten Wortattacken lieber sind als Leberhaken. Es
liegen Welten zwischen dem Film-Duisburger und dem Duisburger aus Leidenschaft.
Doch es gibt eine Verbindung.
Neue Dreharbeiten beginnen im Juli
Harald Schrapers stellt sein "Schimmi"-Wissen ins Internet: Was das Raubein
in 20 Dienstjahren getrieben hat, was über ihn geschrieben wurde und wie es weiter
geht. Etwa mit dem Dreh zu "Kinder der Hölle". Sendetermin: 14. Oktober.
Dabei ist Schrapers nicht einmal Schimanski-Fan. Jedenfalls keiner, der Autogramme,
Fotos und Krimskrams hortet. Nur die Videos hat er (fast) alle. Und drei Bücher,
darunter einen raren Comic-Band. "Ich möchte über Schimanski informieren, weil
ich das für Duisburg wichtig finde. Kaum jemand verkörpert das Bild des neuen
Ruhrgebiets besser als er." Auch wenn´s der Kommissar manchmal allzu sehr krachen
lässt. "Das ist doch nur Kulisse, die Figur ist fiktiv." Eine Seenlandschaft etwa
haben auch andere Städte. Aber keinen Schimanski. Ausgerechnet der Berliner Götz
George, den der 36-Jährige nie getroffen hat, habe "dieses positive Ruhrgebietsimage"
hereingetragen.
Schrapers Fern-Beziehung zu Horst Schimanski hat 1991 angefangen: "Ich habe
für die Juso-Zeitschrift einen Artikel über ihn geschrieben." Die Zeilen wurden
ins Internet gestellt, wuchsen seither um viele Details. "Es gibt zwei, drei Leute,
die sich intensiv mit Schimanski beschäftigen."
Bei den Schimanski-Fans stoßen die Internet-Seiten auf reges Interesse. Das
verraten E-Mails, von denen viele aus Finnland und Tschechien kommen. Viele hoffen
auf Autogrammkarten. Vergeblich. Das kann der Duisburger nicht leisten.
Einem aufmerksamen Beobachter wie Harald Schrapers konnte nicht entgehen, dass
in den 38 "Schimmi"-Krimis einiges durcheinander ging. Klar. Viele Autoren und
Regisseure haben an der "Legende aus Duisburg" gestrickt.
E-Mails aus Finnland und Tschechien
So erfuhr einst ein Dorfpolizist, dass Horsti am 9. Oktober ´38 in Stettin
geboren wurde. Schimanski machte sich später fünf Jahre jünger und Breslau zu
seiner Heimatstadt. Und was spielt es für eine Rolle, dass der Häscher aller Halunken
immer wieder in der falschen Richtung über Hombergs Rheinbrücke ins Stadtzentrum
rast.
Den Ganovenjäger hetzt Harald Schrapers virtuell um die Welt. Sein "wirkliches
Hobby" aber sind Spiele. Ohne Bits und Bytes, dafür schön traditionell mit Figuren,
Brett und Würfeln. Hunderte hat er davon.