Neue Ruhr Zeitung (NRZ) Duisburg vom 3.11.99

Der neue Schimmi-Krimi gibt sich ganz zahm

In „Sehnsucht“ spielt Duisburg eher eine Nebenrolle

Von GERARD DOMBROWSKI

So viel vorneweg: Die Sonne scheint in Duisburg. Zumindest am Sonntag bleibt es trocken, so lange Schimanski am Abend im TV ermittelt. Wenn Götz George den Kommissar im Un-Ruhestand gibt, Türen eintritt und die Ärmel seiner beigen Jacke aufkrempelt, blöken auf den Rheinauen Schafe, während die Kamera über die grünen Weiden schwenkt. Im Hintergrund tuckern ein paar Schiffe. Schöne Duisburger Welt. Sicher, Mord und Totschlag gibt’s auch in „Sehnsucht“, dem neuen Schimmi-Krimi am 7. November. Nur die angeblich dunkelsten Seiten der Stadt bleiben diesmal im Dunkeln.

Das war mal anders. Bis vor einem Jahr lebte – und warb – die Stadt gut mit ihrem TV-Rabauken. Ende 1998 brachte die ARD dann die Folge „Rattennest“, die düstere Gestalten zeigte, die sich in ebenso düsteren Ecken an brennenden Tonnen wärmten. „Unmöglich“ werde die Stadt dargestellt, schimpfte Bürgermeister Heinz Pletzinger, Regisseur Hajo Gies hatte Mühe, die Wogen zu glätten: „Die Duisburger Industriekulisse macht den Reiz in einer Fiktion aus. Wenn wir die Parks und Wälder zeigen wollten, könnten wir in München oder Hamburg drehen.“ Und jetzt?

In „Sehnsucht“ beschränkt sich das Schmuddelbild auf eine Hafenkneipe, in der einst Zuhälter und Pornodarstellerinnen verkehrten. Von dort führt Schimmi die Suche nach einer Zeugin in einem Mordfall nach Frankreich. Duisburg wird Nebenschauplatz. Und wo wenig zu sehen ist, ist auch wenig Schlechtes zu sehen. Als Reaktion auf die Kritik wollte Gies den Krimi aber nicht verstanden wissen: „Die Folge war bereits im vergangenen Herbst gedreht, bevor ,Rattennest´ ausgestrahlt wurde.“ Erst in den nächsten zwei Folgen, die im Frühjahr 2000 gedreht werden, „lassen wir uns was einfallen.“

Aber dann wohl auf die ironische Tour: „Als die Boulevardpresse mal nachzählte, wie oft Schimanski ,Scheiße´ sagt“, grinst der Regisseur, „haben wir ihn im nächsten Film noch öfter fluchen lassen.“

© NRZ – Neue Ruhr Zeitung


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