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Phantome
ohne Leben
Fortgesetzte
Verwertung einer populären TV-Figur: "Schimanski" darf wieder
zuschlagen
"Schimanski
- Das Geheimnis des Golem", ARD, Sonntag, 20.15 Uhr.
VON
CHRISTINA HEINEN

In
der Frühzeit des Kinos, den zehner und zwanziger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts, beschäftigten sich zahlreiche Filme mit
der jüdischen Legende des Golem. Diese aus Lehm geschaffene Figur,
der ein Mensch durch die mystischen Kräfte von Schrift-Zeichen Leben
einhaucht, entfaltet ein ungeheures zerstörerisches Potential und
wendet sich gegen ihren Schöpfer. Der Golem ist nicht nur eine
frühe, mittelalterliche Frankenstein-Figur, sondern soll auch als
Mahnung dienen, was geschehen kann, wenn man das alttestamentarische
Bilderverbot missachtet.
Diese spannende Figur, in der
unterschwellig das Verhältnis von jüdischen Denktraditionen und den
neuen technischen Bildern des Kinos verhandelt wurde (wie im Film
Der Golem wie er in die Welt kam von 1920), ist im Plot des
Schimanski-Krimis Das Geheimnis des Golem nur eine schlappe
Metapher. Einzig auf einer ästhetischen Ebene dient das Spiel mit
dem Golem-Mythos dazu, das Judentum zugleich als altehrwürdig - und
ein bisschen unheimlich - darzustellen.
Von 1981 bis 1991 war
Horst Schimanski (Götz George) der wohl beliebteste
Tatort-Ermittler. Currywurst-Romantik und melancholische
Ansichten der Ruhrpott-Industrielandschaft prägen auch die neuen
Schimanski-Krimis, die seit 1997 ausgestrahlt werden. "Schimmi", von
der Polizei rausgeworfen, arbeitet jetzt allein.
In Das
Geheimnis des Golem geht Regisseur Andreas Kleinert (Buch: Mario
Giordano) bewusst locker - und manchmal zu rücksichtslos - über die
sensiblen Aspekte des Themas hinweg: Schimanski, der im
jüdisch-orthodoxen Viertel in Antwerpen ermittelt, brüskiert seine
Gegenüber mit antisemitischen Witzen. Womit er sich schrecklich
blamiert. Paul Rosenfeldt (Nikolaus Paryla, nach dem Tatort Der
Schächter erneut als Jude) wird in Antwerpen überfallen. In
einem Koffer, der an sein Handgelenk gekettet ist, bewahrt er ein
Notizbuch mit hebräischen Schriftzeichen auf. Schimanski hilft ihm
und wird von Rosenfeldt als Bodyguard engagiert. Um den völlig
verängstigten Mann zu schützen, bringt Schimanski ihn in seine
Wohnung in Duisburg. Doch Rosenfeldt wird erschossen, Schimanski
gerät unter Mordverdacht. Seinen ehemaligen Kollegen Hänschen (Chiem
van Houwenige) und Hunger (Julian Weigend) jagen
ihn.
Kleinert inszeniert die komplizierte Geschichte um das
Geheimnis des Notizbuchs in leeren Bildern: Oft sieht man erst das
sorgfältig komponierte Setting - ein elliptisch gebautes
Treppenhaus, in das durch Glaskacheln blaues Licht fällt; die kühl
fotografierte Geometrie einer Straßenecke - und jemand betritt das
Bild und verlässt es wieder.
Der Film ist eine zwar
atmosphärisch dichte, aber statische Versuchsanordnung, in der die
Protagonisten sich bewegen, ohne als Figuren lebendig zu werden. Zu
oft meint man, den Bauplan des Drehbuchs durchschimmern zu sehen.
Ähnlich bemüht und erstarrt wirkt das rituelle jüdische Leben, das
der Film ausführlich zeigt, aber leider eine Spur zu folkloristisch
in Szene setzt.
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2004 Dokument erstellt am 09.01.2004 um 17:32:10
Uhr Erscheinungsdatum 10.01.2004  |