 Tatort: "Rattennest"
Pletzigers Protest gegen den Pensionär
 (RP). Nach 29 Tatortfolgen mit Schimanski war 1991
Schluss. Doch die Fans wollten ihren Schimi wieder haben, und zwar
nicht auf der Kinoleinwand, sondern auf der Mattscheibe. 1996 wurde
ihr Flehen erhört. Als gealteter Kripomann ade ermittelte er nun auf
eigene Faust. "Rattennest" hieß die erste Folge dieser neuen
Schimanski-Reihe. Da war es wieder zu sehen: das Elend in Duisburg,
die verwaisten Straßenkinder, die sich an brennenden Ölfässern die
Hände wärmten, die heruntergekommenen Straßenfluchten, die Proleten
ohne Niveau und Anspruch.
Und wie zehn Jahre zuvor hagelte es Proteste aus Duisburg. Als
einer der Wortführer gegen Schimi machte der CDU Bürgermeister Heinz
Pletziger bundesweit von sich reden. Hätte er die Möglichkeit
gehabt, er hätte dem Ex-Kommissar verboten, sich jemals wieder
dieser Stadt zu nähern und
ihren Namen jemals wieder in einem seiner Filme zu verwenden.
Dass Pletziger einige Monate später im Karneval in die abgewetzte
Jacke von Schimanski schlüpfte, ist ein ganz anderes Thema. Bis
dahin hatte sich die Aufregung allerdings auch schon wieder gelegt,
war zumindest den Duisburger Zuschauern aufgegangen, dass die
schmuddeligsten Szenen nicht in Duisburg gedreht worden waren,
sondern in Köln.
20 Jahre nach dem ersten Tatort hat Schimi in dieser Stadt
fraglos noch immer viele Fans. Dass er einst Duisburg so in die
Negativ-Schlagzeilen gebracht hat, wer nimmt ihm das heute ernsthaft
noch übel? Immerhin hat wohl bis heute jeder begriffen, dass die
Tatort-Krimis aus dieser Stadt von der Überzeichnung lebten. Und mal
ganz ehrlich, spannender als die Highsociety-Ausflüge von Derrick
waren die Ermittlungen von Schimi allemal. |